Gute Inhalte
machen
den Unterschied

Über Neugier in der Werbung, die Kunst von Content Communication und die Zukunft der Kommunikation – ein Gespräch mit Joerg Strauss.

Interview Lenz Koppelstätter

Gute
Inhalte
machen den
Unterschied

Über Neugier in der Werbung, die Kunst von Content Communication und die Zukunft der Kommunikation – ein Gespräch mit Joerg Strauss.

Interview Lenz Koppelstätter

magari: Wie weckt man Neugierde?
Joerg Strauss: Man weckt Neugierde, wenn man Menschen unvorbereitet erwischt. Viele Leute glauben ja heute, alles zu wissen, fremde Menschen ganz gut zu kennen, Persönlichkeiten einschätzen zu können und so weiter. Sie glauben auch, vieles über Marken und über Unternehmen zu wissen oder haben jedenfalls eine bestimmte Meinung dazu. Interessant wird es immer dann, wenn man es schafft, diese Leute zu überraschen und ihnen etwas zu vermitteln, sodass sie denken: Wirklich? Das hätte ich nicht gedacht!

Ist das Neugierde-Wecken heute leichter geworden, weil man alles darf – oder schwieriger, weil einen nichts mehr so schnell überrascht?
Ich glaube, es ist ein bisschen schwieriger geworden, weil die Digitalisierung dafür sorgt, dass die Meinungsbildung sich viel vehementer vollzieht und eine Gruppendynamik entsteht. Jedes Fußballspiel, jeder B-Promi-Skandal findet sofort Widerhall in sozialen Netzwerken, da sind die Meinungen ganz schnell ganz klar. Menschen wirklich individuell zu erreichen, ihr ganz persönliches Interesse zu wecken ist nicht leichter geworden, weil man das Gefühl hat, dass vieles, was Menschen bewegt, sofort öffentlich ist.

Wohin entwickelt sich Werbung?
Werbung steckt in einem tief greifenden Wandlungsprozess. Die Kanäle, die noch vor zehn Jahren gängig waren, sind heute nicht mehr immer erste Wahl, um bestimmte Zielgruppen zu erreichen. Es gibt Leute, die schon seit Jahren keinen Fernseher mehr haben und monatelang keinen Kiosk betreten. Aber diese Leute sind für viele Werbetreibende nicht weniger wichtig. Die Dinge, die wirklich durchdringen und die sogar eine gesellschaftliche Debatte anstoßen konnten, wie früher die Plakate für Benetton von Oliviero Toscani, die sind selten geworden, weil es schwieriger geworden ist, die Aufmerksamkeit aller, die ja alle verschiedene Medienkanäle nutzen, zu erreichen. Ein gutes Beispiel ist der Film „Heimkommen“ der deutschen Handelskette Edeka. Da geht es um einen Großvater, der es mit einem Trick schafft, seine gesamte Familie zu Weihnachten bei sich zu versammeln. Dieser Film wurde vor allem über Social Media zum Klick-Hit. Diese Mechanik ist heutzutage für viele Botschaften der wahre Durchlauferhitzer.

„Die Leute merken sofort, wenn etwas nicht stimmt“

Was Werbung ist, weiß jeder. Was aber ist Corporate Publishing?
Corporate Publishing – wir nennen es lieber Content Communication – ist die Kunst, Geschichten über Marken und Unternehmen zu erzählen, die potenzielle Kunden auf eine weniger vordergründige Art als Werbung ansprechen, sie langfristig für die Marke oder das Unternehmen einnehmen und zu loyalen Nutzern machen.

Wie spielen in Zukunft klassische Werbung und Content Communication zusammen?
Beide Disziplinen rücken einander näher. Die Werbung hat inzwischen verstanden, dass vordergründiges Produktverkaufen zu durchsichtig ist. Ein Content-Dienstleister wie Territory wird immer häufiger von Agenturen für Kooperationen angefragt. Das hat seinen Grund. Und Content-Experten verstehen es immer besser, ihre Geschichten an Marken auszurichten. Das ist ein Prozess, der sicher noch nicht zu Ende ist und den wir aktiv mitgestalten wollen.

Wie sieht die Kommunikationswelt in zehn Jahren aus?
Wenn man das wüsste! Ich glaube, die Kommunikationswelt wird ganz sicher noch smarter werden. Die Leute merken ja sofort, wenn etwas nicht stimmt. Wenn eine Behauptung durchsichtig ist. Wenn ein Film gekünstelt oder eine Anzeige nur doof ist. Das bietet Chancen für gute Inhalte, die wirklich den Unterschied machen. m

Kommunikator

Joerg Strauss war Leiter des Berliner Büros von Gruner + Jahr Corporate Editors und anschließend Mitglied der Geschäftsleitung von Territory, Europas führendem Corporate-Publishing- Dienstleister mit Sitz in Hamburg. Vor Kurzem wechselte er ins Management der neuen Kreativagentur Honey, einem gemeinsamen Projekt von Territory und Kolle Rebbe für Marketingkampagnen an der Schnittstelle zwischen Content Communication und Werbung.

(Foto: Joerg Strauss)

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